Das Wichtigste in Kürze
- Model Context Protocol (MCP) verbindet einen Agenten mit Werkzeugen und Daten. Agent2Agent (A2A) verbindet Agenten untereinander.
- Seit dem 17.08.2026 liegen beide Protokolle unter demselben Stiftungsdach, der Agentic AI Foundation der Linux Foundation.
- Für Sie heißt das: weniger Abhängigkeit von einem Anbieter, und eine neue Governance-Frage, wenn Agenten Aufgaben aneinander delegieren.
- Die Datenbasis bleibt der Engpass. Ein Agent, der auf falschen Identitätsdaten arbeitet, verteilt den Fehler nur schneller.
Wenn in Ihrem Haus bereits ein KI-Agent läuft, dann arbeitet er vermutlich so: Er bekommt eine Aufgabe, greift auf ein Werkzeug zu, liest etwas aus, schreibt etwas zurück. Ein Agent, ein Werkzeugkasten. Das funktioniert, und für die meisten ersten Anwendungsfälle reicht es.
Die Frage, die im zweiten Jahr solcher Projekte regelmäßig auftaucht, lautet anders: Was passiert, wenn zwei Agenten aus zwei verschiedenen Häusern zusammenarbeiten sollen? Der Agent im Einkauf, der von Ihrem Anbieter kommt. Der Agent in der Personalabteilung, der Teil Ihrer HR-Software ist. Der Agent im IT-Betrieb, den Sie selbst gebaut haben.
Bis vor Kurzem war die Antwort: individuell verdrahten. Dafür gibt es seit 2025 einen zweiten offenen Standard neben dem, den Sie vielleicht schon kennen. Seit dem 17. August 2026 liegen beide unter demselben Stiftungsdach.
Zwei Protokolle, zwei Richtungen
Das Model Context Protocol (MCP) kennen Sie womöglich schon aus der Praxis. Es standardisiert, wie ein Agent an Werkzeuge und Datenquellen kommt. In der Spezifikation heißt das nüchtern: MCP gibt Anwendungen einen standardisierten Weg, um Kontextinformationen an Sprachmodelle zu übergeben („Share contextual information with language models") und um Werkzeuge und Fähigkeiten für KI-Systeme bereitzustellen („Expose tools and capabilities to AI systems"). Wie das konkret aussieht, wenn ein Agent auf diesem Weg an Ihr Active Directory kommt, steht in unserem Beitrag zum Abteilungswechsel.
Agent2Agent (A2A) beantwortet die andere Frage. Es standardisiert die Kommunikation zwischen eigenständigen Agenten. Die Spezifikation spricht von „communication and interoperability between independent, potentially opaque AI agent systems" und zählt auf, was die Agenten dabei können sollen: „Discover each other's capabilities", „Negotiate interaction modalities", „Manage collaborative tasks" und „Securely exchange information to achieve user goals without needing access to each other's internal state, memory, or tools".
Das A2A-Projekt selbst fasst die Arbeitsteilung in einem Satz zusammen: „While the Model Context Protocol (MCP) serves as the vertical integration layer connecting agents to internal tools and databases, A2A acts as the horizontal protocol enabling peer-to-peer collaboration."
Vertikal und horizontal. Das ist der ganze Unterschied.
MCP verbindet den Agenten nach unten mit Werkzeugen und Daten. A2A verbindet Agenten seitlich miteinander. Dieselbe Instanz bedient beide Richtungen.
Was sich im August tatsächlich geändert hat
Hier lohnt eine Präzisierung, weil die Meldungen der vergangenen Wochen den Vorgang verkürzt haben.
A2A stammt von Google, ist aber schon seit Juni 2025 kein Google-Protokoll mehr. Am 23. Juni 2025 wurde die Übergabe an die Linux Foundation angekündigt, zusammen mit einem Trägerkreis, dem unter anderem Amazon Web Services, Microsoft, SAP, Salesforce, ServiceNow und Cisco angehören.
Was am 17. August 2026 passierte, war ein Umzug innerhalb desselben Hauses: A2A wechselte von der Linux Foundation direkt unter das Dach der Agentic AI Foundation. Diese wurde am 9. Dezember 2025 von der Linux Foundation gegründet und wird von ihr betrieben. Ihre drei Gründungsprojekte waren MCP von Anthropic, goose von Block und AGENTS.md von OpenAI.
Das ist die eigentliche Nachricht: MCP und A2A liegen nun in derselben Governance-Struktur. Zum 13. August 2026 zählte die Agentic AI Foundation 247 Mitgliedsorganisationen.
Für Sie als Entscheider ist das weniger eine technische als eine Risikofrage. Ein Protokoll unter Stiftungsdach mit dieser Trägerbreite lässt sich nicht im Alleingang eines einzelnen Anbieters einstellen, verteuern oder in ein Abo überführen. Genau das ist der Grund, warum Sie beim Bewerten eines Agenten-Angebots künftig danach fragen sollten.
Was Sie beim Delegieren gewinnen, und was Sie dabei aufgeben
Eines der fünf Leitprinzipien der A2A-Spezifikation heißt „Opaque Execution". Ein Agent beschreibt in einer sogenannten Agent Card, was er kann und wie er sich authentifizieren lässt. Was er intern tut, welche Werkzeuge er benutzt, welchen Plan er verfolgt, bleibt verborgen.
Das ist ein Vorteil. Sie müssen einem Partneragenten keinen Einblick in Ihre Systeme geben, damit er eine Aufgabe für Sie erledigt.
Und es ist die strukturelle Grenze des Verfahrens. Vertrauen entsteht hier über deklarierte Fähigkeiten, nicht über überprüfbare Transparenz. Sie sehen, was ein fremder Agent zu können behauptet. Sie sehen nicht, wie er dabei vorgeht.
Die Spezifikation nimmt das auf der Zugriffsebene ernst. Die Agent Card führt die unterstützten Authentifizierungsverfahren auf, darunter API-Schlüssel, HTTP Basic und Bearer, OAuth 2.0, OpenID Connect und beidseitige TLS-Authentifizierung. Ein Server muss Anfragen mit fehlenden oder ungültigen Zugangsdaten ablehnen, und er darf nicht verraten, dass eine Ressource existiert, für die der Anfragende keine Berechtigung hat.
Was die Spezifikation nicht regelt und auch nicht regeln kann: ob in Ihrem Ablauf ein Mensch zustimmt, bevor der delegierte Agent etwas schreibt. Diesen Freigabeschritt bauen Sie selbst, an derselben Stelle wie beim Werkzeugzugriff. Wie das in der Praxis aussieht, haben wir am n8n-Aufbau mit Freigaben vor dem Werkzeugaufruf beschrieben.
Weniger Bindung an einen Anbieter
Ein offener Standard unter Stiftungsdach lässt sich wechseln. Ein proprietäres Agenten-Framework nicht. Sie entscheiden später neu, ohne die Integration noch einmal von vorn zu bauen.
Freigaben bleiben Ihre Entscheidung
Delegiert ein Agent eine Aufgabe an einen anderen, muss die Freigabe vor der schreibenden Aktion sitzen, nicht dahinter. Wer das erst nachträglich prüft, prüft eine bereits veränderte Umgebung.
Nachvollziehbarkeit als Nebenprodukt
Wer über Protokolle statt über Zuruf integriert, bekommt den Verlauf protokolliert, ohne ihn extra zu bauen. Aus der Frage, wer etwas ausgelöst hat, wird eine Abfrage statt einer Rekonstruktion.
Wie reif der Stack heute ist
Die Zahlen, die dazu kursieren, stammen überwiegend von den Projektbeteiligten selbst. Das schmälert sie nicht, man sollte es nur wissen.
Auf der Protokollseite ist der Stand belastbar. A2A liegt seit dem 12. März 2026 in der Version 1.0.0 vor, ausdrücklich als erste stabile und produktionsreife Fassung gekennzeichnet. MCP ist mit der Spezifikationsrevision vom 28. Juli 2026 zustandslos geworden. Was das für eigene Server bedeutet, steht in unserem Beitrag zum Wegfall der Sessions.
Auf der Anbieterseite nennt das A2A-Projekt native Unterstützung bei Google Cloud, Amazon Bedrock AgentCore und Microsoft Azure AI Foundry, dazu Anwendungen bei ServiceNow, Salesforce, Atlassian und SAP sowie Unterstützung in Frameworks wie LangGraph, CrewAI, Pydantic AI, AG2 und IBM BeeAI. Das sind Eigenangaben der Betreiber, kein unabhängiger Produktionsnachweis für jeden Einzelfall. Prüfen Sie das für die zwei oder drei Produkte, die bei Ihnen tatsächlich im Einsatz sind, und nicht für die Liste.
Grenzen und Voraussetzungen
Drei Punkte, bevor jemand in Ihrem Haus das Wort Interoperabilität in eine Folie schreibt.
Erstens: A2A löst kein Problem, das Sie heute haben, wenn bei Ihnen genau ein Agent läuft. Der Nutzen beginnt dort, wo Agenten aus verschiedenen Häusern oder verschiedenen Fachbereichen zusammenarbeiten sollen. Vorher ist es eine Architekturentscheidung auf Vorrat, die man treffen kann, aber nicht treffen muss.
Zweitens: Ein Protokoll ist keine Freigabelogik und kein Rollenkonzept. Wer heute nicht sagen kann, welcher Mensch für eine automatisierte Änderung geradesteht, kann das mit zwei Protokollen genauso wenig.
Drittens, und das ist der Punkt, an dem die meisten Agenten-Projekte im Mittelstand tatsächlich hängen: Beide Protokolle regeln, wie Systeme miteinander sprechen. Sie sagen nichts darüber, ob die Daten stimmen, über die gesprochen wird.
Der Engpass liegt unter dem Stack
Ein Agent, der über MCP an Ihr Active Directory kommt, arbeitet mit dem, was dort steht. Ist die Kostenstelle seit zwei Jahren aufgelöst, steht sie trotzdem im Benutzerkonto. Ist der eingetragene Vorgesetzte nicht mehr im Unternehmen, delegiert der Agent die Freigabe an eine Adresse, die niemand liest. Existiert eine Organisationseinheit nur noch formal, wandert der neue Mitarbeiter trotzdem hinein.
Im Betrieb fällt das selten auf. Es fällt auf, wenn jemand fragt, warum eine Berechtigung erteilt wurde, und die Antwort auf einen Datensatz zeigt, den seit Jahren niemand mehr gepflegt hat.
Beantworten kann das kein Bericht aus dem Active Directory allein. Das Verzeichnis kennt Ihre Struktur, aber nicht Ihre Organisation. Die steht in der Personalwirtschaft und in der Unternehmenssoftware, dem ERP-System (Enterprise Resource Planning). Genau diesen Abgleich mache ich.
Was Sie in fünf Minuten prüfen können
Sie brauchen dafür weder ein Projekt noch einen Konsolenzugang.
Nehmen Sie das Agenten-Vorhaben, das bei Ihnen gerade am weitesten ist, und stellen Sie zwei Fragen an die zuständige Person:
Auf welche Stammdaten greift dieser Agent zu, und wann wurden diese Daten zuletzt gegen die Personalwirtschaft abgeglichen?
Wenn die erste Frage eine schnelle Antwort bekommt und die zweite nicht, kennen Sie Ihre Reihenfolge.
Fazit
MCP und A2A unter einem Stiftungsdach sind eine gute Nachricht: Der Weg zwischen Agenten und Systemen wird standardisiert, dokumentiert und austauschbar. Das senkt Ihr Abhängigkeitsrisiko und macht Angebote vergleichbar.
Das alles verschiebt den Engpass nur dorthin, wo er ohnehin liegt. Agenten arbeiten auf Ihren Daten. Stimmen die nicht, automatisieren Sie den Fehler lediglich schneller.
In einem kostenlosen 30-minütigen Gap-Check ordnen wir Ihre Ausgangslage ein: welche Identitätsdaten Ihre Agenten überhaupt vorfinden, und wo der erste sinnvolle Schritt liegt.
Quellen:
- Agentic AI Foundation, „A2A joins AAIF“ (17.08.2026)
- Linux Foundation, Gründung der Agentic AI Foundation (09.12.2025)
- Linux Foundation, „Agentic AI Foundation Welcomes 57 New Members“ (13.08.2026)
- A2A Protocol, Spezifikation v1.0.0 (12.03.2026)
- Model Context Protocol, Spezifikation Revision 2026-07-28
- Google Developers Blog, Donation von A2A an die Linux Foundation (23.06.2025)
- A2A Protocol, „A New Chapter for A2A: Joining the Agentic AI Foundation“ (27.08.2026)
Alle Quellen wurden am 14.09.2026 gegen den Text geprüft.
